Renève sur Vingeanne

 

Kälte im Kerker von Renève, Schmerzen in den Gelenken. Kaum Schlaf. Brennende Wunden am Rücken. Schläge der Bewacher. Tag, Nacht, hell, dunkel. Nichts davon dringt zu ihr. Bodennässe breitet sich aus. Die Matratze schützt nicht davor. Das zerschlissene Kleid spendet keine Wärme.

     Bruna. Der Vater hat den Namen ausgewählt. In der westgotischen Heimat in Spanien. Sie zieht die nackten Füße an den Körper, umschlingt die Knie mit den Armen.

     Wie lange dauert die Haft? Wo hat der Prozess stattgefunden? Wo ist sie festgenommen worden? In Chalon? In Orbes?

    Ihrer Freiheit hat sich Neffe Chlotar, König von Neustrien, bemächtigt. Wann wird er sie töten lassen?

     Die Gefangene wartet auf den Tod, den Adel und Kirche vor dem Königsgericht als angemessene Strafe für vielfaches Morden erkannt haben. Ein Urteil, das sich gegen sie als merowingische Königin und Regentin richtet.

     Mit geschlossenen Augen flüstert Bruna-Brunhilde ein Gebet. Den Psalm vom guten Hirten, der ihr als katholische Christin, einer ehemaligen Arianerin, vertraut ist:

     »Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn. Immerdar. «

     Die Königin nimmt die Kette mit dem Kreuzanhänger ab, zieht den Ring ihres Mannes Sigibert vom Finger. Sie gibt den Schmuck, den sie fast ein ganzes Leben lang getragen hat, Romana:

     »Er wird dich bewahren. So wie er mich bewahrt hat. Ich habe dich noch so viel fragen wollen, meine Liebe. Jetzt ist es dafür zu spät. «

     Die Soldaten, die Bruna, genannt Brunhilde, die in der Brünne kämpft, zum Richtplatz führen wollen, finden sie tot auf ihrem Lager. Die alte Königin entgeht so der grausamsten Hinrichtungsart, die der neustrische König Chlotar hat anordnen können: Brunhilde von vier wilden Pferden in Stücke reißen, vierteilen lassen.

     Als Romana die Habseligkeiten der Toten einsammelt, entdeckt sie deren Gürtel unter der Matratze. Eine silberne Schließe ziert ihn. Und Pastillen, aus Mohnsaft hergestellt. Trotz des Schmerzes über den Tod ihrer Herrin und Freundin flüstert sie lächelnd:

     »Bruna-Brunhilde, Westgotin, merowingische Königin in Austrasien und Burgund, Nibelungentochter hat ihrem Leben selbst ein Ende bereitet. Ein Ende? Ich werde mich immer an sie erinnern. Andere auch? «

     Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn. Immerdar. «

     Die Königin nimmt die Kette mit dem Kreuzanhänger ab, zieht den Ring ihres Mannes Sigibert vom Finger. Sie gibt den Schmuck, den sie fast ein ganzes Leben lang getragen hat, Romana:

     »Er wird dich bewahren. So wie er mich bewahrt hat. Ich habe dich noch so viel fragen wollen, meine Liebe. Jetzt ist es dafür zu spät. «

     Die Soldaten, die Bruna, genannt Brunhilde, die in der Brünne kämpft, zum Richtplatz führen wollen, finden sie tot auf ihrem Lager. Die alte Königin entgeht so der grausamsten Hinrichtungsart, die der neustrische König Chlotar hat anordnen können: Brunhilde von vier wilden Pferden in Stücke reißen, vierteilen lassen.

     Als Romana die Habseligkeiten der Toten einsammelt, entdeckt sie deren Gürtel unter der Matratze. Eine silberne Schließe ziert ihn. Und Pastillen, aus Mohnsaft hergestellt. Trotz des Schmerzes über den Tod ihrer Herrin und Freundin flüstert sie lächelnd:

     »Bruna-Brunhilde, Westgotin, merowingische Königin in Austrasien und Burgund, Nibelungentochter hat ihrem Leben selbst ein Ende bereitet. Ein Ende? Ich werde mich immer an sie erinnern. Andere auch? «

 

 

Toledo

 

Auch das Plätschern des Springbrunnens im Garten der Burg von Toledo konnte das Stöhnen der Gebärenden nicht übertönen. Freya hörte es, als sie sich dem Geburtszimmer näherte. Seit zwei Tagen und Nächten lag Goiswintha, Athanagilds junge Ehefrau, in den Wehen. Die Geburt ging nicht voran.

     Die Hebammen baten maior domus Sisenand, einen Arzt zu Hilfe zu holen.

     »Das kann ich nicht erlauben. Eine Geburt ist hier immer Frauensache. «

     »Seit dem Morgen hält er sich schon auf der Burg auf. Ich bin besorgt. Deshalb habe ich ihn rufen lassen. «

     »Was Ihr Euch herausnehmt, Freya! Ihr seid nicht befugt, eine solche Entscheidung zu treffen. «

     Kammerfrau Freya, die seit Goiswinthas Ankunft am Hof Athanagilds die Königin als Kammerfrau betreute, hatte mit fester Stimme gesprochen. Sie ließ sich vom Zorn Sisenands nicht einschüchtern. Als Dienerin war sie für die junge Herrscherin eine mütterliche Freundin.

     Der Geruch verbrennenden Weihrauchs im Zimmer trug zu Goiswinthas Entspannung bei. Mit einem Sud aus Schlafmohnsamen, der zerhackten Wurzel einer Alraune und den getrockneten Blättern des Bilsenkrautes tränkte der herbeigerufene Arzt Ibn Sina einen Schwamm, legte ihn der Königin über die Nase, vergewisserte sich, dass die für den Eingriff notwendige Tiefe der Betäubung erreicht war.

     Als er sie anrief, reagierte die Königin nicht mehr. Der Arzt wiederholte dennoch die Prozedur, tränkte den Schwamm erneut mit dem Sud. Die Gebärende vertraute ihm. Oft hatte Ibn Sina das Leben verwundeter Soldaten durch Amputieren von Gliedmaßen unter Betäubung gerettet. Auf Geheiß Gois-winthas wurden die Schwerverletzten auf der Burg gepflegt. Freya half, hatte Verbände gewechselt.

     Jetzt lag die junge Frau vor dem Arzt. Das Kind konnte den Leib durch den Geburtskanal nicht verlassen. Das schmale Becken der vierzehnjährigen Königin war Grund dafür. Noch nie hatte er eine solche Operation durchgeführt: Dem Kind durch den Schnitt in den Leib der Mutter auf die Welt zu verhelfen. Seine Forschungen aber verschafften ihm die dafür notwendigen Erkenntnisse, ermutigten ihn jetzt zu dem Eingriff.

     Ein Gespräch mit dem Westgotenherrscher Athanagild, dem Vater des Kindes, hatte Ibn Sina die eigene Situation deutlich gemacht: Wenn ihm die Operation misslang, wenn auch nur das Kind starb, würde der Gote ihn töten. Er kündigte dem Arzt die Hinrichtung an, als dieser ihn über deren Notwendigkeit informierte:

     »Ganz sicher werden ohne den Eingriff Mutter und Kind qualvoll sterben. «

     »Ihr haftet mit Eurem Leben für ein gutes Ende. «

     Im Umgang mit Gegnern war Athanagild erbarmungslos. Richtete sie hin, ließ ihnen vorher die Hände abhacken, die Zungen herausreißen.

     Nadel, Faden, Messer, Klammern hatte Freya in kochendem Wasser sterilisiert und auf einem Tisch bereitgelegt. Nach seiner Gewohnheit wusch der Arzt sich die Hände, desinfizierte den Leib mit einer Alkohol-Wasser-Mischung, durchtrennte die Haut oberhalb der Scham, anschließend Muskelgewebe und Gebärmutterhülle. Es musste rasch gehen. Der Puls der Königin war schwächer geworden.

     Der eröffnete Uterus war so weit gedehnt, dass das Kind von ihm gegriffen, herausgenommen, abgenabelt werden konnte. Ibn Sina hob es in die Höhe, schüttelte es leicht. Ein Mädchen. Es hustete, schrie, wurde rosig. Die Kinderfrau hüllte das Neugeborene in ein wärmendes Tuch. Kein Bad, das hatte der Arzt angeordnet. An der Brust der Amme, die sich mit dem weinenden Säugling in das Kinderzimmer zurückzog, endeten die Schluchzer.

     Die Plazenta entnahm Ibn Sina aus der sich zusammenziehenden Gebärmutter. Auch jetzt musste er schnell arbeiten. Dennoch waren die einzelnen Hautschichten sorgfältig mit jeweils einer Naht zu verschließen. Die geübten Hände ließen ihn nicht im Stich. Schweiß stand ihm auf der Stirn, als er die Operation beendet, einen Verband angelegt hatte.

     Zwei Kammerfrauen wechselten die Tücher in Gois-winthas Bett, Freya wachte neben der bewusstlosen Königin. Als der Arzt ihren Puls fühlte, trat Athanagild allein durch die Nebentür. Die Hand, mit der er seine Frau an der Schulter berührte, zitterte.

     »Wie geht es ihr? «

     »Jetzt gut. Wenn kein zu hohes Fieber eintritt, wird Königin Goiswintha leben. «

     »Das Kind? «

     »Ein Mädchen. Zart, aber gesund. «

     »Bringt es mir. «

     Freya erhob sich von den Knien, eilte ins Kinderzimmer, legte dem Herrscher das weinende Neugeborene in die Arme. Unter dem Raunen des Vaters wurde es still.

     »Bruna sollst du heißen. Geweissagt wurde, dass du stark und mächtig sein wirst. «

     Goiswintha öffnete die Augen.

     »Wie fühlst du dich, meine Liebe? «

     »Gut.« Sie streckte die Hände nach dem Kind aus:

     »Was ist es? «

     »Ein Mädchen. «

     »Bist du zufrieden? «

     »Ich bin glücklich über unsere Tochter Bruna. «

     Die Mutter nahm sie in die Arme.

     Auf Befehl des Herrschers brachte Freya das Kind zurück zur Amme. Athanagild küsste seine Frau, die vor Erleichterung seufzte. Der König hatte die Tochter akzeptiert. Ohne die Anwesenden eines Blickes zu würdigen, verließ er den Raum.

     Ibn Sina forderte Freya und die beiden anderen Kammerfrauen auf, an Goiswinthas Bett zu wachen. Mit einem Blick auf seine Patientin rührte er Säfte an, gab Hinweise zur Wirkung der Heilmittel:

     »Gegen zu hohes Fieber, gegen Schmerzen, die sie bald spüren wird. Dieser Saft hier dämmt Blutungen ein. Wir geben ihr die Medizin nacheinander. Dabei wechsle ich mich mit Euch ab, Freya. Die Königin wird überwacht. Auch in der Nacht, viertelstündlich. Ein Uhrglas steht hier auf dem Tisch. «

     Das Fieber hielt sich in Grenzen. Die Tücher aber, in die Goiswintha gehüllt war, röteten sich durch unaufhörlich aus dem Leib sickerndes Blut. Als Freya ihrer Herrin einen frischen Verband anlegte, neue Laken ausbreitete, öffnete die Königin die Augen:

     »Ich habe Durst. «

     Mit Unterstützung der Kammerfrau setzte sie sich auf, trank gierig, fuhr mit der Zungenspitze über die trockenen Lippen. Goiswintha sank in die Kissen zurück. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht:

     »Keine Schmerzen spüre ich. «

     »Das ist gut. Bleibt bitte wach. « Freya flößte der Mutter blutstillenden Saft ein.

     »Jetzt kann nur noch die Jugend der Patientin helfen. Ich bin am Ende meiner ärztlichen Kunst angelangt. « Ibn Sina hatte sich in das Nebenzimmer zurückgezogen, sprach zu sich selbst.

     Alle wachten die gesamte Nacht über am Bett der Königin, flößten Medizin ein, kontrollierten Puls und Stärke der Blutung.

     Am frühen Morgen kniete Freya am Bett ihrer Herrin, der Arzt saß vor einem Fenster. Zwei Kammerfrauen schliefen. Erstes Licht fiel in den stillen Raum, beschien die Wände. Reiterbilder auf Teppichen tauchten auf. Ibn Sina beugte sich über Goiswintha:

     »Wir wecken sie nicht auf. «

     Gegen Mittag blutete die Königin nicht mehr, auch nicht später am Tag. Als sie erwachte, verabreichte ihr der Arzt noch einmal Medikamente. Freya wusch Goiswintha, erneuerte Tücher, kleidete ihre Herrin in Blau, deren Lieblingsfarbe.

     »Ihr habt mir das Leben gerettet. Und das meines Kindes.« Die Königin umarmte Ibn Sina und die Kammerfrau.

     Athanagild trat mit Bruna im Arm an das Bett der Königin:

     »Ich schulde dir Dank. Und euch. «

     Freya sank vor dem Herrscher auf die Knie. Der Arzt neigte den Kopf. Bruna schrie. Im Arm der Mutter beruhigte sie sich, saugte am dargebotenen Finger. Athanagild und seine Frau: Eng saßen sie nebeneinander. Mit diesem Bild in der Erinnerung zogen sich alle zurück.

     Entsetzen hatte Goiswintha gepackt, als sie als junges Mädchen nach Toledo gekommen war, um am Hof des Westgotenherrschers zu leben. Die Eltern gaben ihn ihr zum Mann. Der Gote entsprach nicht den Vorstellungen der jungen Frau. Mit weinerlicher Stimme schilderte sie Freya eine der ersten Begegnungen zwischen sich und Athanagild:

     »Zu alt ist er, grob in seinem Benehmen mir gegenüber. Er hat mich gegriffen. So wie er die Kebsfrauen anfasst. Und seine Sprache! Nur Grausamkeiten! Ganz rot ist er dabei im Gesicht angelaufen! Ich habe mir aus Angst zitternd die Ohren zugehalten. Das solle ich mir abgewöhnen als westgotische Königin, hat er gebrüllt. Grässlich! Ich bin seine Braut! Kein Schlachtross! «

     Freya berührte ihre Herrin am Arm:

     »König Athanagild hat es als Herrscher nicht leicht. Seinen Westgoten will er weitere Niederlagen und die nächste Vertreibung ersparen. In der Vergangenheit haben sich die erzwungenen Umsiedlungen zweimal ereignet. «

     »Was du alles weißt. Ich will nach Hause, « jammerte Goiswintha.

     »Beruhigt Euch und denkt an Eure Familie. Sie hat einen großen Teil ihres Vermögens für den Brautschatz aufgewendet. Den hält Euer Gatte zurück, wenn Ihr die Verbindung beenden werdet. «

     »Ach, Freya, du bist überhaupt nicht auf meiner Seite! «

     »Doch, das bin ich. Gebt ihm Zeit, sich an Euch zu gewöhnen. König Athanagild liebt seine Königin, und als Herrscher ist er bedeutend. «

     »Was du von mir verlangst! «

     »Ihr seid klug. Ihr werdet Euch nach einiger Zeit mit der neuen Lebenssituation abfinden. «

     Das geschah. Goiswintha gestaltete steinerne Wände und Böden der Burg mit Teppichen. Sie bedeckten Kahles, wärmten durch eingewebte, farbige Figuren. Die Königin kaufte silbernes Geschirr, Gläser, Krüge aus Keramik für die Tafel.

     Mit Glasvasen, Spiegeln, Alabasterfiguren stattete sie ihre Räume aus. ...

 

 

 

                                                                Die Mosel: Brunhilde

 

Nach der Hochzeit hatte Sigibert alle mit der Mitteilung überrascht, auf der Mosel von Metz aus nach Trier zu reisen:

     »Ich werde mich meinen Untertanen auf einer Umfahrt zeigen. Du kannst deine neue Heimat kennenlernen beim Reisen auf dem Fluss. Und als Schwangere überstehst du

alles auf einer Schiffsreise besser.«

     Da Romana mich begleitete, konnte ich es wagen, obgleich die Geburt unseres ersten Kindes bevorstand. Meist lag ich auf dem Ruhebett unter einem Baldachin an Deck, kritisch beäugt von meiner Kammerfrau.

     Seit Anbeginn seiner Herrschaft sorgte Sigibert für die Zusammenkunft von Künstlern in Metz. Venantius Fortunatus schrieb anlässlich unserer Hochzeit ein Gedicht. Er war ein

Begleiter auf der Moselreise, trug mir Passagen aus dieser Dichtung auf meinen Wunsch hin vor.
     »Ihr heißt Fortunatus, das Glückskind. Ihr schreibt in eloquentem Latein über unsere Ehe. Amor und seine Mutter Venus preisen Sigibert und mich als Brautpaar. Wo habt Ihr

das Dichten gelernt?«

     »In der Heimat Italien. Erst in der Schule, dann auf der Universität von Ravenna.«

»Und jetzt reist Ihr als Heimatloser durch das Merowingerreich?

Warum seid Ihr nach Metz gekommen? «

     »Wie Ihr wisst, hat es in Italien 20 Jahre lang Krieg gegeben. Das Land ist deshalb kein Platz für Poesie. Hier im Frankenreich werden Kultur und Wissenschaften gepflegt.

König Sigibert habe ich vor einiger Zeit beim Überqueren der Donau kennengelernt, als mir von dort wohnenden Baiern Probleme bereitet worden sind. Ich bin dankbar gewesen für ein geschenktes Pferd. Auch für Essen und Kleidung.«

     »Jetzt benötigt Ihr ein eigenes Schiff für Eure Habe. König Sigibert ist ein großzügiger Gastgeber. «

     Fortunatus beeindruckte mich wenig mit seiner Dichtung. Mehr nahm mich sein klassisch-schönes Aussehen für ihn ein. Den Kontakt zu ihm wollte ich über die Schiffsreise hinaus aufrechterhalten.

     Im Moment wartete ich auf die Geburt meines Kindes, genoss den Anblick des breiten Flusstals. Die Hänge, bewachsen mit Rebstöcken und Laubbäumen, stiegen aus dem Wasser sanft empor. Wegen des milden Klimas gediehen dort

Feigen, Aprikosen und Pfirsiche. Das Obst, mir aus meinerHeimat vertraut, genoss ich auch jetzt als vollständige Mahlzeit.

     Inzwischen rückten die Berge näher an die Mosel heran. Rechts und links sah ich steile Ufer, als in der Nacht die Wehen einsetzten. Vorsorglich waren von Romana ein Arzt und

zwei Hebammen auf einem der Begleitschiffe untergebracht worden. Alle wurden jetzt gerufen. Die Frauen untersuchten mich. Es würde mit der Geburt noch dauern, der Muttermund habe sich erst wenig geöffnet. Sie empfahlen Spaziergänge

auf dem Schiff.

     Romana wanderte mit mir herum, bis mir trotz des heftiger werdenden Wehenschmerzes langweilig wurde. Vom anwesenden Arzt, auch er ein Perser, war ich vor der Abreise beraten worden: Ohne Probleme würde ich gebären können. Wasser zwischen den Beinen überraschte mich. Jetzt durfte ich liegen bleiben. Der Arzt hielt sich im Hintergrund auf. Die Hebammen bereiteten die Geburt mit heißem Wasser

und Tüchern vor. Meine Kammerfrau wehrte Sigibert ab, der mir beistehen wollte, Fortunatus zog sich auf sein Schiff zurück.

     Zeitweise machte mich der Schmerz bewusstlos. Eine der Hebammen rieb dann meine Stirn mit kalten Tüchern ab. Wie durch Nebel waren Anordnungen zu hören: Ich solle

mitarbeiten, das Kind sitzend aus mir herauspressen. Dankbar nahm ich wahr, dass Romana Wasser in eine Schüssel schüttete: ein Bad für das Kind. Lange konnte die Qual nicht mehr dauern.

     Dann lag es zwischen den Beinen. Ein Knabe. Überall Blut.Der Arzt durchtrennte die Nabelschnur. Was folgte: Nachgeburt, Waschen, Umkleiden, das Zetern der Amme, die Anteilnahme meines Mannes, Childeberts Jammern. Alles lag im Nebel. Zwei Tage verbrachte ich auf einem Lager, wanderte dann mit dem Kind im Arm auf dem Schiff und auch an Land herum, bewacht von Romana und der Amme.

     Sigibert brach auf zum Adel in Trier. Der Anlass für dieMoselreise hatte schließlich darin bestanden, mit dem Besuch die königliche Herrschaft zu festigen. Auf einer Reise,

während der unser Sohn Childebert geboren wurde. In Toledo gezeugt, war er mit der Stadt der Treverer, Augusta Treverorum, als Geburtsort ein echter fränkisch-merowingischer Austrasier.